Prolog 20 is out!

Prolog, das Heft für Zeichnung und Text erteilt eine Absage an die Lethargie und Gleichgültigkeit. Gerechte Kulturförderung in Deutschland? Absage. Kunst, die man sich erschließen muss? Absage. Aufgeben deswegen? Absage Absage Absage!

Das von Dorit Trebeljahr und Anton Schwarzbach initiierte Projekt bringt seit Jahren verschiedene Künste zusammen, nicht nur im Heft, sondern auch in Ausstellungen und Aktionen. Was VERSNETZE für die deutschsprachige Lyrik ist, ist Prolog fürs künstlerische Crossover!

Und was ist drin in # 20 zum Thema Absage (außer Crauss‘ coverversion von Madonnas hung up) ? Hier kriegt ihr Klarheit. Und im ersten Teil des Vorworts nebenan auch. Klick klick …

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Prolog 20 is out!

born slippy/ drachen steigen underworld


deine stange. du bist dünn. deine dünnen flügel aus papier. deine dünnen flügel aus papier. im wind. schlag. deine sonne. flieg hoch. dein fenster bricht. deine stange. du bist dünn. deine dünnen flügel aus papier. zucker dose. zucker junge. geht rein. zucker dose. zucker junge. kerze in der hand. zucker junge. deine stange. du bist dünn. deine dünnen flügel aus papier. deine dünnen flügel aus papier. im wind. klappern. klappern. deine sonne. steig hoch. dein fenster ist im wind. zer brochen. dein markenzeichen grollt. dein zeichen flattert. klang körper. heimatlose bäume. sammeln sich. vor deinem fenster rufen schmuggel kinder. nach dir. und liegen zwischen fliegen rum. das fieber jenes sommers kommt. katzen sammeln sich vor deinem fenster. heimatlose bäume. schmuggel kinder rufen dich. lieben dich. liegen zwischen. liegen zwischen fliegen rum. du fliegst. fliegst hoch. deine stange. du bist dünn. deine dünnen flügel aus papier. steig rein. in deine sonne. steig hoch. schlag. schlag. dein fenster hat der wind. zer brochen. die sonne scheint. die sonne scheint. auf deinem markenzeichen. blauer bauch. deine stange. du bist dünn. deine dünnen flügel aus papier. klang körper klang körper klang körper klang kling klang körper kling klang kling kling dein ding. flattert. dein klang. grollt. zucker dose. zimt arsch. bleich bauch. schlag schlag schlag schlag schlag hoch. klang körper. klang.

da ist ein geräusch. auf der andern seite dieser mauer. ein vogel singt. auf der anderen seite dieser scheibe. fuss spurn. verborgen. stille wahrt eine stimme auf. ich geh im wind ans wasser ran. umspült fast meine füsse. hör dem stacheldraht zu. summt. und ein geräusch auf der andern seite. der mauer. ein vogel zwitschert auf der andern seite. der scheibe. fuss spurn. im verborgenen. die stille fesselt eine stimme. silber kette. gummi riemen. weg geworfen. flügel ab. gebrochen:

wow! lauf junge hunde junge dreckig tauber engel junge eingang junge sie war ein lippstift junge sie war ein schöner junge und tränen junge und alles in deinem innenleben junge du hattest hände junge mädchen eisen junge hattst chemiebaukästen junge und ich bin dir nah gekommen junge und du stöhnst bloss junge sagte sie sie sagte komm schon her komm her sie lächelte dich an mann. lass dein gefühl raus zieh nur die maske niemals aus mann zufall mann frau blond hoch spannend rennend rhythmus frau blond mann blond land blond frau mann spannend meine droge mann bist echt mann sprich mit mir mann hund dreckig tauber peitschenjunge machst dich nass mann riesig grosses ding mann saurer riese mann und eine grosse nummer mann und nummern nummern nummern nummern nummern nichts erinnern junge. magst meinen gummiprügel junge und wirst feucht wien engel. entgleist. du hast einen lila mund und bist so sukkulent junge saftig schimmernd schmutzig wunderbarer heisser junge telephondraht ich und Gott und alle auf der leitung und da kommt ein engel rein und schau mich an und deine mutter machte hockend in ein ubahn loch am einkaufszentrum und ich komme gerade frisch vom schiff und sprech sofort den blondsten an den ich finden kann ich ruf nach bier bier bier bier bier bier bier und nach dir junge ruf nach bier bier bier und gib mir jemand bisschen was zum schnupfen junge hunde junge weisses megaschnupfzeugs junge spass junge macht doch spass junge siehst ne menge dinge junge ruf nach bier bier bier bier bier und diesem weissen crack da zeig ich dir was alles so sehen kann und was man machen darf wenn man sich traut geh doch heim mann mama junge hallo mama mann die hats doch auch drin süsser schnee wind süsser winter süss im wind und mild im regen wind im winter

das telephon klingelt. sie sagt:

du fühlst dich nicht mehr an wie früher. süss im winter süss im regen. saftig. vor gebrauch gut schütteln sagte sie. so rührst du mich lang schon nicht mehr an. verbindung rein. empfänger aus. sie liess dich durch die hintertür rein. rausgefunden dass dir etwas fehlte an ihr. fühlst dich nicht mehr an. fahr ab fahr auf den rhythmen der mitternachtsbahn nach wannsee. kann sie folgen. reite die rhythmen. süss im winter süss im regen. drehst du deine runden. vor drei stunden noch war alles gut. so weit. so rührst du mich schon lang nicht mehr. nein. nein. verbindung leitung standkontakt. sie war eine leitung standkontakt zum locus communis wo jeder war wie jeder. zeit. brachte dich weiter. schwer gefasst was los war. regennass und schüttel mich sagst du du rührst mich nicht mehr an wie sonst du streichelst nicht wie früher her komm her der stecker steckt nicht mehr das radio spielt sie liess dich durch die hintertür für ein paar stunden schnurrtest auf den rhythmen die aus ihrem haus heraus warn durch die stadt bahn letzter zug nach wannsee wann sehn wir uns wieder drehtest deine heimlich heimlichen runden durch die stadt auf diesen schweren liedern wieder wissen wir nicht wann und ob und wann und überhaupt ob wir uns wiedersehn ich seh dich stehn am fenster denkst du mensch da dringen deine lieblingslieder raus und tragen mich ganz mild im regen bin so dreckig. und das licht es blendet mich macht meine augen blind. du bist so furchtbar schmutzig. und das licht es blendet deine hand. gut schütteln vor gebrauch doch du berührtest sie nicht mehr. dann mach das radio an und denk an mich ich liebe dich und wehe mit dem wind schwernass ach was schalts radio ein ich will dein äther sein und gleite auf den rhythmen durch die nacht zu dir. ich war beschäftigt telephonsex anzuhörn der durch die hintertür erschien. in deinem haus. in haut hautengen unterhosen. und die lichter blenden mich weit weg von dir ich ziehe wellen durch die stadt vor stadt vor langer zeit war uns kein weg zu weit zu uns und uns und uns und dir und mir und schlammnass sinke ich am strassenrand in meiner hand ein bild von dir und dreckig und die lichter blenden mich ich denk an dich und flieh vor dir und ziehe wellen und wir werden wellen wurden alle samt verrückt und tanzten. tanzten uns allein. meinen kick krieg ich wos leben nur ein augenblick ist. meinen nervenkitzel bis zum kurzschluss in der stadt. im stadtbahntakt. das licht macht meine augen blind. und ich fühl mich schmutzig. und das licht und fühl mich so erschüttert. da geht Gott auf krücken. und da kommt ein neuer Gott. da kommt ein neuer Gott wie ubahngrollen mit dem duft von zimt und einer violetten zunge und ganz leicht angezogen einem hokuspokus aus pixeln. und ich hatte telephonsex alle hände voll zu tun und süsser winter süss im wind und schwerrnass pfützenspass um über die leere in meinen lieblingsjeans hinweg zu kommen. und ich krieg aufs maul. gefriergetrocknet. krieg aufs maul krieg meinen kick für einen augenblick das licht verbrennt mir meine augen. und ich fühl mich dreckig. da geht Gott auf krücken. und ich werde nicht verrückt. ich werde nicht verwirrt sein. sie haben mich verwirrt allein gelassen ich werde nichts anfassen nichts anfangen nicht verrückt mit einem andern mann. ich kann bis heute nicht begreifen was mich trieb ich lieb dich doch ich lieb dich noch ich wollte doch nur sehn wie sich das anfühlt aufgewült die stadt umspült mich spült mich an den rand ins vorland strand nass regensüss im winter habe nicht gewusst geahnt das hat mich umgehaun. für einen augenblick den kick auf kanal acht. die qual der wahl. erleichter dich. hör auf deine augen sagte jemand. aber alles was ich sehen konnte war Doris Day auf einer riesigen satellitenleinwand wie sie mit Schleudertrauma Tom dem autoknallkopf in der ubahnröre am nollendorfplatz verschwindet. und das licht verbrennt mir die augen. und das licht verbrennt mir die augen. meinen kick für einen augenblick auf kanal acht. und es wird nacht. schnee. flimmern
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Crauss: MOTORRADHELD. prosa. klagenfurt/wien: ritter verlag 2009
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born slippy/ drachen steigen underworld

Queertalk mit Crauss

Crauss war Ende Mai zu Gast beim Baseler Que(e)rBeet Magazin und gab dort ein Radiointerview zu queerer Lyrik. Auch die von Stefan Hölscher herausgegebene Anthologie SO GERADE/ NICHT kam zur Sprache.

Bereits im April gab’s ein Interview im Frankfurter RadioSUB über Crauss‘ Lyrik und ihre Anfänge.

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Queertalk mit Crauss

Ein Zirpen in der Kiefer – und die Bienen halten die Uhren auf

Viel wird über die Natur, ihre Schönheit, aber auch ihre Erschöpfung geredet, doch wie lässt sie sich in der Dichtung einfangen? Mehr als 100 zeitgenössische Lyrikerinnen und Lyriker geben ihr in neuen Naturgedichten eine Stimme. Anton G. Leitner hat eine Sammlung zusammengestellt, die zeigt, wie sich heute poetisch mit und über Natur reden lässt: aktuell und alltagsnah, humorvoll und schwärmerisch, kritisch und besorgt. Zeitgenössische Lyrik, die einen ambivalenten Weitblick auf unseren schönen, erschöpften Planeten wirft.

Die Bienen halten hier die Uhren auf. Und neben Crauss sind u.a. Reinhard Kiefer, Helmut Krausser, Axel Kutsch, Gundula Schiffer, Ralf Thnior und Christoph Wenzel dabei.

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Ein Zirpen in der Kiefer – und die Bienen halten die Uhren auf

zuviel an lyrischem sperma – Brinkmanns frühe gedichte

zu Rolf Dieter Brinkmanns 80. geburtstag dieser tage lohnt sich nicht nur ein blick auf Roberto di Bellas website Brinkmann wildgefleckt, sondern auch in Crauss‘ 2018 erschienenen essayband SCHUNDFAKTOR. neben aufsätzen über Niklas Lem Niskate, Adrian Kasnitz, Julien Green, W.G. Sebald, Heine und diverse urbane phänomene (prenzlauer berg bis tokyo) und browserverläufe gibts auch eine besprechung von Brinkmanns frühen gedichten vorstellung meiner hände.

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zuviel an lyrischem sperma – Brinkmanns frühe gedichte

So gerade / nicht

queere anthologie… also quer? Schräg? Ja, genau! Queere Lyrik 2020 verammelt 15 Autoren*, deren Poesie aus dem heteronormativen Rahmen rutscht. Darunter u.a. Thomas Böhme mit einer Mini-Werkschau 1988-91, Alexander Graeff mit pfirsischweichen Ereignishorizonten, Zoltán Lesi & Mátyás Dunajcsik  mit einem Schlaflosigkeitsdialog – und natürlich Crauss.
Crauss übt mit „drei gestalten auf einer wiese“ „deepthroat“ und blickt mit Motiven von Gaga Nakhutsrishvili einem „herumtreiber“ hinterher. Die von Stefan Hölscher herausgegebene Sammlung gibts im Geest-Verlag.

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So gerade / nicht

Vor 355 Jahren: Die Pest in London

Zum 355. Jubiläum der Pest in London wiederholen Armin Nassauer & Crauss ihre Pest-Lesung von 2016 online!
Auf Soundcloud gibts eine Kompaktfassung von etwa einer Stunde. Aktueller denn je. Zu Wort kommen Daniel Defoe & Samuel Pepys.
Viel Spaß beim Beulen zählen!

Die PestWeltweit gibt es heute noch 4.000 Pestfälle im Jahr. Von 1978 bis 1992 meldete die WHO 1.451 Todesfälle in 21 Ländern. In den USA erkranken jährlich zehn bis zwanzig Menschen an der Pest. Im Jahr 2014 starben in Madagaskar in einem Pest-Ausbruch mindestens 40 Menschen. Das bekannteste Beispiel einer Pestepidemie ist die große Pest von 1665, die Samuel Pepys in seinem Tagebuch festhielt und Daniel Defoe in seinem Buch Die Pest zu London bechrieb. Pepys‘ Tagebuch ist akribisch und hält Persönliches und Öffentliches gleichermaßen fest, mit bemerkenswerter Offenheit auch eigenen Schwächen gegenüber. Mit 59 Jahren veröffentlichte Daniel Defoe seinen „Robinson Crusoe“, drei Jahre später die journalistische Arbeit „A Journal Of The Plague Year“ (1722). Er gilt als einer der Begründer des englischen Romans. Im Bericht über die Pest, die er selbst nur als 5jähriges Kind erlebt hatte, mischt er mündliche und schriftliche Überlieferungen von Zeitzeugen mit genau recherchierten Daten über den Verlauf der Seuche, Sterblichkeit, Wetter, Verordnungen und anderem.

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Vor 355 Jahren: Die Pest in London

tabu und freier wille – Crauss blickt auf sein leben

etcetera #80eine neue ausgabe der niederösterreichischen kulturzeitschrift etcetera ist erschienen. texte, interviews und kunst beschäftigen sich mit tabu und freiem willen. Crauss hat beigetragen zu SCHAM UND CHARME. im heft gibts einen ausschnitt aus seiner biographischen und bisher unveröffentlichten selbstbeichte aber es heilt:

die liebe ist ein scheiss
hör ich mich fluchen

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tabu und freier wille – Crauss blickt auf sein leben

DIE ANGST IN PERSON: Schülervideo

Jürgen Drewes, Lehrer am Bischöflichen Clara-Fey-Gymnasium in Schleiden, hat mit seinen Q2-Schülerinnen ein beeindruckendes Video zu meinem Gedicht DIE ANGST IN PERSON (aus LAKRITZVERGIFTUNG) gedreht.

„Moderne Gedichte visualisieren“ war das Anschlussthema zur Unterrichtsreihe „Unterwegs sein – Lyrik von der Romantik bis zur Gegenwart“. „Es war eindrucksvoll mitzuerleben, wie engagiert, mit wie viel Herzblut und wie motiviert die Schülerinnen die Umsetzung (Inhalte, Location, Licht, Ton, Symbolik, Betonung des Textes, usw.) der von ihnen erarbeiteten Aussagen des Gedichts diskutierten und schließlich realisierten“, schreibt Drewes auf seinem Blog.

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DIE ANGST IN PERSON: Schülervideo

THE MAKING OF >IO [HOME]<

AUTORENMUSKKAUTORENMUSIK ist erschienen. Das Buch zum Projekt des Kölner Sprechbohrer-Ensembles in Zusammenarbeit mit Florian Neuner und diversen Autoren auf der Grenze zwischen (klassischer neuer) Musik und Text. Es geht um die kompositorische Erforschung der Sprech- und Sprachwerkzeuge. Die Dokumentation kommt mit einer CD, die alle Stücke der zweiten Phase der Autorenmusik beinhaltet. Crauss ist im Buch mit einem Text über das Making Of seines Stücks IO [HOME] vertreten – einer Weltraum-Oper über den Untergang der Planeten-WG.

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THE MAKING OF >IO [HOME]<

fetisch-texte im heimlichen auge

jahrbuch der erotik 34Crauss hat devote männer interviewt und zu ihrem fetisch befragt: blossgestelltwerden in der öffentlichkeit, unangenehme dienste verrichten etc … acht der interviews wurden in einem text kombiniert und sind jetzt nachzulesen in SCHUNDFAKTOR sowie im 34. jahrbuch der erotik, herausgegeben von Uve Schmidt und Claudia Gehrke, der unermüdlichen chefin des tübinger kunkursbuch verlags.

weiter im heimlichen auge gibts sailor’s delight, eine anleitung nach bravo- und dr.-sommer-manier, wie man sich als notgeiler teenager einen porno leicht selber basteln kann. 384 seiten satt hat die erotikanthologie. bebildert!ich leide unter meinen gefühlen (bravo 26, 1986-06-19)

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fetisch-texte im heimlichen auge

Politische Lyrik

flugschriftflugschrift

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gedichte gegen Rechts. Bleidruck. Liebevoll. Engagiert. Mit dabei ua.: Marco Kerler, Adrian Kasnitz, Mark Kanak, Axel Dielmann, Clemens Schittko, Gerald Fiebig, Robsie Richter und Crauss mit einem Gedicht über unruhigen Schlaf, verwischte Erinnerungen und eine alte Zeitung.
Mehr über das Projekt im Literatursalon Donau und beim Festival contre le Racisme Ulm.

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Politische Lyrik

Bei Fallensteins: hellrote Hortensie. Crauss und Peter Clar im Dialog

Immer wieder ist das Wohnzimmer von Christel und Matthias Fallenstein in der Wiener Hauptgasse der Poesie Zentrum des lebendigen Austauschs zwischen Literaten und Begeisterten. Die Salonlesung im Juni 2019 war nicht die erste Begegnung von Crauss mit Peter Clar. Bereits 2018 schlugen sich Eindrücke von Crauss‘ hellroter hortensie in Peter Clars Gedicht Bei Fallensteins nieder.

Bei Fallensteins

Der Herbst endlich gekippt
In Winter und wieder zurück
Vor meinem Kaffeehausauslagefenster eilt Wladimir Putin vorbei
Wischt Robert Stadlober Schmelzwasser vom Rauchertisch
Heute Kaffeehauspoesie und English Breakfast im Europa
(Unabsichtliche Ironie)
Gestern Crauss und Frieda Paris bei Fallensteins zu Hause
Kosmische Beine und Türe geöffnet von schönen Schuhen
Du versäumst meinen Tag, liest Crauss
Du schlüpfst in so viele Rollen, sagt Frieda
Bei mir ist immer nur dieses lyrische Ich
(Als wäre das Ich so eindeutig Ich)

*

hellrote hortensie ein blitz
durch den nachmittag alles
um dich herum placebo mein prinz. debussy
die erdbeern wir schweigen ein
ununterbrochener wind ununterbrochen
la ville die stadt augusttod. die uhren
klacken klackern scheppern auseinander.
glas springt splittert dein schimmerndes
auge dein schweigen wir schweigen
die erdbeern mein prinz die erdbeeren! da blutet
ein schatten die zeit bricht reift alles
aufeinmal. die hitze! sie blüht. die hitze der tag
die haut reisst strassen wind zieht
refft an unseren erinnerungen. pestgeruch. & alles
so stockend. das toben der kinder
vor dem fenster fault in den abend hinein
wir liebten uns doch. liebten
einander. du versäumst meinen tag.

 

 

Peter Clar: Die Worte, sagst Du…, Sisyphus 2018
Crauss: DIE HARTE SEITE DES HIMMELS. Pilotengedichte. Verlagshaus Berlin 2018

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Bei Fallensteins: hellrote Hortensie. Crauss und Peter Clar im Dialog

rückkehr vom mond: blut und bier in chicago 1932

der ELIF VERLAG hat lyrikerinnen und lyriker eingeladen, gedichte über das zu schreiben, was sie mit CINEMA verbinden. welche filme, szenen, charaktere sie erinnern, welcher schauspielerin oder welchem regisseur sie sich besonders zugeneigt sehen, was sie berührt, inspiriert, vielleicht getröstet hat, was ihr sehen veränderte oder assoziationen weckte.
Crauss hat sich berteiligt mit drei gedichten über peterchens mondfahrt (und einen liebes-moment), Janet Leigh mit Carey Grant sowie über das chicago des Al Capone.

nachdem es in den letzten beiden jahren einige unglückliche bemühungen gab, ein stimmungsbild der lyrik der letzten dekade zu fassen und man besser bedient war mit Tristan Marquardts/Jan Wagners unmöglicher liebe (die kunst des minnesangs in neuen übertragungen), wird CINEMA neben VERSNETZE_ELF wohl die wichtigste anthologie dieses jahres werden.

CINEMA, anthologie im ELIF VERLAG

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rückkehr vom mond: blut und bier in chicago 1932