ick kieke, staune, wundre mir …

berlinerische gedichteberliner eck / kneipe, wo du schief anjesehn wirst wennde dein notizzbuch zückst … schreibt Crauss in seinem beitrag zur gerade erschienenen anthologie „berlinerischer gedichte von 1830 bis heute“: jibbter’n trinkjeld, isser nich von hier

über vierhundertsechzig seiten gedichte haben Thilo Bock, Wilfried Ihrig und Ulrich Janetzki für die andere bibliothek zusammengetragen.
neben den Glaßbrenners, Fontanes, Böttichers, Klabunds und Kerrs sind ua. dabei einige Wawerzineks, Papenfüße, Tschirpkes, und Endlers.

Crauss‘ berliner eck stammt ursprünglich übrigens aus der LAKRITZVERGIFTUNG, die als fleissiger dauerseller bereits mitten in der zweiten auflage juicy transversions bietet.

JUNGE REHAUGEN im fixpoetry-express!

DIESER JUNGEdas fixpoetry express experimentiert mit neuen ansätzen in der digitalen literaturkritik. wer denkt wie und warum? was sagt der autor dazu? können Sie das nachvollziehen? interaktiv und transparent – eine demokratische debatte über literatur. zwei literaturkritiker, (Martin A. Hainz und Mario Osterland sind in der 6. folge der reihe mit Crauss über DIESER JUNGE. DIGITAL TOES im gespräch. das e_book ist erschienen im verlagshaus berlin in der edition binaer. diese bringt das gedicht in den virtuellen raum und wir nutzen genau diesen raum, um dem gedicht in die jungen augen zu sehen.

UNERHÖRT: Crauss im marburger schwulfunk

MARGAYS on AIRCrauss war zu gast bei Tobi und Chris, dem MARGAYS on AIR team im livestream des RADIO UNERHÖRT MARBURG. jeden dritten und fünften sonntag im monat von 16:00 bis 18:00 uhr gibts ein lesbischwules programm mit aktuellem klatsch, kitsch und kulturellen highlights.


DIESER JUNGE
diesen sonntag (16.10.16) auf dem äther: Crauss mit seinem ebook DIESER JUNGE: sechsundzwanzig gedichte mit glossar, einem nachwort von Matthias Fallenstein und Crauss‘ aufsatz AUGUST und ACKER. über das entstehen der texte und das begehren von jungs unterhalten sich die radiomacher mit dem dichter. die aufzeichnung gibts später auch als mitschnitt.

NOMINIERUNG für DIGITAL TOES

DIESER JUNGEsechsundzwanzig gedichte mit glossar, einem nachwort von Matthias Fallenstein und Crauss‘ aufsatz AUGUST und ACKER über das entstehen der texte: das im verlagshaus berlin erschienene e_book DIESER JUNGE wurde für den deutschen e_book award 2016 nominiert. preisverleihung wird am 20.10.2016 um 16 uhr in halle 4.1 stand N91 der frankfurter buchmesse sein.

MEIN DURSTIGES WORT gegen die flüchtige liebe

elif verlagder niederrheinische, von Dincer Gücyeter befeuerte  elif verlag hat seine dritte jahresanthologie soeben herausgebracht. lyrik lebt! durstiges wort gegen die flüchtige liebe präsentiert gedichte ua. von Stefan Heuer, Stan Lafleur, Mario Osterland, Dominik Dombrowski, Konstantin Ames und der grossartigen Safiye Can.

Crauss hat neben einem gedicht über Konstantin Kavafis (nach smyrna, bereits erschienen in BUNTE SOCKEN TRAGEN) und einem eifersuchtspoem (von dir) eine Macbeth-bearbeitung beigetragen. „tang, alg, elodeen, / froschgebisse rissen die recken wie drachen / in die tiefe“ heisst es in 1|2.

LAKRITZVERGIFTUNG in kärnten

LAKRITZVERGIFTUNG in kärntenmanchmal (selten genug) treffen botschaften zufriedener leser direkt beim autor ein und versüssen das harte holz, an dem der dichter allzu häufig zu knabbern hat. so auch bei der LAKRITZVERGIFTUNG, die längst in zweiter und erweiterter auflage zu haben ist.
Steffen Kurz, angestellter in frankfurt/m und selbst schreibender, hatte die juicy transversions neulich im  kärnten-urlaub am millstätter see dabei (bild).

Frederik Bornhofen hingegen, philosoph in kiel, trägt das buch in die kneipe: >man scheint gut beraten die LAKRITZVERGIFTUNG in der nähe zu haben, wenn man mal wieder bis fünf keinen schlaf gefunden (jetzt) oder ihn andererseits nie wirklich gesucht hat und es bemerkt, als man doch noch, um drei, zu dieser bar aufgebrochen ist (letzt). da wundert sich Büchners Lena noch: der müde leib findet sein schlafkissen überall, doch wenn der geist müd ist, wo will er ruhen?<

Stillstehen, nicht Stillstand. Otto Abts neuer Haiku-Band

Otto Abt, schwester natur

Otto Abts neuer Gedichtband in Haiku und Senryu ist ein Jahreskreis ähnlich dem Film Frühling, Sommer, Herbst, Winter … und Frühling des südkoreanischen Regisseurs Kim Ki-duk: Die Jahreszeiten kommen und gehen, ohne dass man den eigentlichen Wechsel sieht. Man spürt die Veränderung des Wetters, nur selten ein helleres, ein schärferes Licht, ein hervorstechender Ton, der angeschlagen wird.

Das Meditative der Gedichte von Schwester Natur läuft dabei in keinem Moment Gefahr, ins rein Esoterische abzugleiten. Denn einerseits werden konkrete Bauwerke (»Dom zu Massa«), Anlässe (»Ostern in Java«) und Situationen genannt, andererseits verhindern die Haiku und Senryu eine schwelgerische Beliebigkeit oft durch konkrete Anweisungen an den Leser, wie er sich Bilder zu denken hat; nicht nur schön, als reine Oberfläche, als getupfte Aussicht, sondern als auch innerhalb der unterschiedlichen Jahreszeiten ähnlich wiederkehrende Entwicklung oder Handlungsanweisung.

Kulturkreise und kulturelle Erfahrungen des Autors wie des Lesers vermischen und ergänzen sich: was beispielsweise »die alte Linde« (S. 14) nicht vermag, weil sie am Brunnen vor dem Tore fest verankert, in der Heimat verwurzelt ist, lehrt uns die »Buddha-Statue« (S. 7) durch ihr stoisches Blicken ins Weite: das körperliche Stillstehen, das Schweigen auszuhalten, mit ihm umzugehen. Denn Stillstehen bedeutet ja keinesfalls Stillstand. Es sagt: Innehalten, Schauen, Lauschen: schon tropft ein Gamelan-Ton in den anderen (S. 8), strömt ins All und findet im Offenen Heimat, Geborgenheit also, Einfügung.

Dies ist, was Otto Abts Gedichte vermögen: durch eine dezente Reihung uns loszuschicken auf eine nicht immer rein angenehme Gedankenreise, uns aber im unsicheren Augenblick wissen zu lassen, dass wir nicht allein sind auf der Wanderung.

Wem das zu schlicht ist, der überlege, ob er sich Zeit genug gelassen hat. So manches Wort hält eine doppelte Bedeutung bereit – beispielsweise beim Farbmosaik der »Berghänge im Herbstgewand«. »Fest vor dem Abschied« sagt: es ist ein prächtiger, eben festlicher Anblick, die Berge sind aber gleichzeitig starr, erstarrt, tun nichts gegen den Abschied etc. Auch der blaue Himmel ist nicht einfach strahlend und wolkenlos – er ist leer. Er fordert uns auf.

Otto Abt: Schwester Natur mit einem Nachwort von Crauss ist im Buchhandel erhältlich (ISBN 978 3 7412 1189 8) oder über Crauss.

DIGITALE PANSMUSIK

DIESER JUNGEMario Osterland lobt in der novastation Crauss‘ jüngstes digitalbuch: „DIESER JUNGE. DIGITAL TOES gehört mit abstand zum sinnlichsten, das ich von Crauss je gelesen habe. seine gedichte sind ganz und gar frei von der eigentlich obligatorischen peinlichkeit, die erotischer literatur (der deutschen zumal) anhaftet […] Crauss‘ gedichte sind […] sprachlich so ehrlich, wie das begehren, für das die texte stehen. schnörkellos. lest alles von Crauss!“ – den kompletten artikel gibts auf Osterlands blog.

 

august und acker ˇ
für jacques austerlitz ¨ˇ

du schlägst die augen auf: sand. ˇ du schlägst die augen auf: schnee. ˇ du schlägst auf land und findest ˇ ein kind, das du manchmal warst. ¨ˇ

ein junge in hohen strümpfen, ˇ ein junge in seide in furchiger weisse ˇ aus augustwüste und acker. ˇ die nüstern blähen sich blutig, wünschen ˇ sich wind und nicht dieses geschürfte zuhause. ˇ ein junge in hohen strümpfen und goldenen fransen, ˇ und man hört einen heimlichen traktor, ˇ und man hört verschiedenes rufen. der junge ˇ hat ein glas in der hand, auf den rücken geschnallt ˇ die schuhe sind dreck ˇ aus augustwüste, acker und sand. ¨ˇ

du schlägst die augen auf: schnee. ˇ du schlägst die augen auf: rot. ˇ du blinzelst, der junge hebt seine hand. ˇ aufschlag, er hat dir gewunken ˇ und trinkt die orangen jetzt leer. ¨ˇ

KEIN VERGLEICH: original und fälschung

MOTORRADHELDmofaheld

 

 

 

 

 

 

 

 

man muss es nicht gleich eine plumpe fälschung nennen, aber ein vergleich zwischen Lars Niedereichholzens MOFAHELD (fälschung, 2016) und dem 2009 erschienenen original MOTORRADHELD von Crauss wird ganz sicher zugunsten der im ritter verlag wien/klagenfurt erschienenen prosa ausfallen.
denn wo bei Niedereichholz („für meine kinder. trinkt keinen schnaps!“) „sämtliche personen und handlungen frei erfunden“ sind, ist bei Crauss alles echt: jawbreaker, 12incher, die 80er. MOFAHELD will durch gemütlich-witzige nennung von kindheits-accessoires und in einem sich an poetry-slam-muster annähernden stil den leser fangen. Crauss aber, so Matthias Fallenstein in einer rezension, „vermeidet jede andeutung einer didaktischen geste. ihm ist bewusst, dass zukunft befristet ist, dass es ein ende geben wird, so wie die jugend vorbei ist und nur noch rückblicke auf die vergangenheit erlaubt sind: blicke durch eine unüberwindlich trennende, wenn auch durchsichtige scheibe. wer diese distanz nicht respektiert,“ macht sich lächerlich.
so ist in wirklichkeit MOTORRADHELD „der roman des phänotyp jugend seit den 80er jahren. neben zahlreichen anderen literarischen verweisen, anspielungen und zitaten findet sich auch eine erinnerung an Gottfried Benn. nur dass Benn in seinem roman des phänotyp, von dem Crauss‘ prosa […] gar nicht allzu weit abweicht, jene generation alter männer vor augen führt, die eine vergangenheit loswerden wollte und darum ihr politisches handeln leugnete und erzählbare geschichten verschwieg, während Crauss das porträt der heute jungen generation zeichnet, die keine zukunft vor sich sieht und daher auf handeln und geschichte gleich im vorhinein verzichtet. man hängt ab, tanzt, flirtet, säuft bis zum koma. für immer disko? Crauss weiss genau: disko lügt.“

MOTORRADHELD ist nichts als die WAHRHEIT in ihrer erotischsten form. egal, ob es sich bei den einzelnen texten in MOTORRADHELD um gesprächsnotiz, kurzgeschichte, fingierte zeitungsmeldung, essay oder montage handelt: bei aller methodischen strenge erweist sich Crauss als fabulierfreudiger und umwerfend komischer erzähler mit einer vorliebe für BEAT und PORNO. und da, mit verlaub, können ein batiktuch („es riecht modrig“), ein kopfhörer („an dem ich vorsichtig schnuppere und fast enttäuscht feststelle, dass er nicht nach furz riecht.“) und ein altes mofa wirklich nicht mithalten!