SCHÖNER SCHREIBEN, figuren und charaktere 2

auch wenn Sie von sich selbst schreiben: unbedingtes abgewöhnen des ICH: FIGUREN erfinden! so entstehen texte, in denen nicht nur dem ICH etwas passiv geschieht, sondern personen, die aktiv und bewusst handeln. (zuviel ichizismus)

schaffen Sie originale figuren! jeder mensch ist individuell, daher sollten auch charaktere in geschichten einzigartig sein. verwechseln Sie > originalität aber nicht mit originell (ausschliesslich aus einer oder mehrenen auffälligkeiten bestehende figur).

DIE HARTE SEITE DES HIMMELS: Matthias Fallenstein entlarvt die schäbigen piloten

Am Erker 77Matthias Fallenstein entdeckt in DIE HARTE SEITE DES HIMMELS  in seiner rezension aus ausgabe Nr. 77 von Am Erker Zeitschrift für Literatur „trostlose männer-helden“, an deren schicksal wir erkennen: „man stößt nirgends auf bloße sexualität, etwa als naturtatsache, sondern immer auf ein gesellschaftliches regelwerk, in dem sich reale beziehungen bewegen (müssen). genau so stellt Crauss die sache vor, und er erhebt nirgends den anspruch, als ein unbeteiligter beobachter außerhalb zu stehen.“
viel spaß macht Fallenstein die beziehung zum werk Friederike Mayröckkers. „zu welchen kämpfen, zu welchen lüsten man sich mit Crauss, der sprache Friederike Mayröckers folgend, sie abstoßend und dann doch wieder einholend, mitreißen und verführen lassen kann, macht ein besonderes vergnügen der lektüre dieses leidenschaftlichen buches aus.“

Politische Lyrik

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Gedichte gegen Rechts. Bleidruck. Liebevoll. Engagiert. Mit dabei ua.: Marco Kerler, Adrian Kasnitz, Mark Kanak, Axel Dielmann, Clemens Schittko, Gerald Fiebig, Robsie Richter und Crauss mit einem Gedicht über unruhigen Schlaf, verwischte Erinnerungen und eine alte Zeitung.
Mehr über das Projekt im Literatursalon Donau und beim Festival contre le Racisme Ulm.

NEULICH IM SCHRANK: CSD-Lesung in Siegen

csd-lesungKali Drische lebt mit ihrem Stammhirn (*1968, Berlin) zusammen. Weil beide schreiben, gibt es manchmal Streit um den Computer. Was dann herauskommt sind tragikomische Geschichten über „Körper, Sex und andere Widrigkeiten“. Anna Hetzer (*1986, Berlin) geht mit ihren Gedichten einen Schritt weiter und sucht „prasselnde Punkte“ im Strandbad: Küsse sind bei ihr erotische Zungenbrecher. Crauss schließlich (*1971, Siegen) versucht mit Texten wie „Big black Bone“ oder der Gerätebeschreibung „Fuccordeon bump fix 3000“ einen Spagat zwischen den Sirenen der Liebe.

Bei Fallensteins: hellrote Hortensie. Crauss und Peter Clar im Dialog

Immer wieder ist das Wohnzimmer von Christel und Matthias Fallenstein in der Wiener Hauptgasse der Poesie Zentrum des lebendigen Austauschs zwischen Literaten und Begeisterten. Die Salonlesung im Juni 2019 war nicht die erste Begegnung von Crauss mit Peter Clar. Bereits 2018 schlugen sich Eindrücke von Crauss‘ hellroter hortensie in Peter Clars Gedicht Bei Fallensteins nieder.

Bei Fallensteins

Der Herbst endlich gekippt
In Winter und wieder zurück
Vor meinem Kaffeehausauslagefenster eilt Wladimir Putin vorbei
Wischt Robert Stadlober Schmelzwasser vom Rauchertisch
Heute Kaffeehauspoesie und English Breakfast im Europa
(Unabsichtliche Ironie)
Gestern Crauss und Frieda Paris bei Fallensteins zu Hause
Kosmische Beine und Türe geöffnet von schönen Schuhen
Du versäumst meinen Tag, liest Crauss
Du schlüpfst in so viele Rollen, sagt Frieda
Bei mir ist immer nur dieses lyrische Ich
(Als wäre das Ich so eindeutig Ich)

*

hellrote hortensie ein blitz
durch den nachmittag alles
um dich herum placebo mein prinz. debussy
die erdbeern wir schweigen ein
ununterbrochener wind ununterbrochen
la ville die stadt augusttod. die uhren
klacken klackern scheppern auseinander.
glas springt splittert dein schimmerndes
auge dein schweigen wir schweigen
die erdbeern mein prinz die erdbeeren! da blutet
ein schatten die zeit bricht reift alles
aufeinmal. die hitze! sie blüht. die hitze der tag
die haut reisst strassen wind zieht
refft an unseren erinnerungen. pestgeruch. & alles
so stockend. das toben der kinder
vor dem fenster fault in den abend hinein
wir liebten uns doch. liebten
einander. du versäumst meinen tag.

 

 

Peter Clar: Die Worte, sagst Du…, Sisyphus 2018
Crauss: DIE HARTE SEITE DES HIMMELS. Pilotengedichte. Verlagshaus Berlin 2018

SCHÖNER SCHREIBEN, ort und zeit

ort und zeit sind die knackpunkte der narrativen künste:

alles geschieht gleichzeitig, der autor muss sich aber notgedrungen auf eine reihenfolge festlegen.

um sich nicht gleich am anfang zu verheddern, muss der autor eine rigorose entscheidung treffen, indem er etwa den ort mit namen nennt oder ihn durch die zeit kennzeichnet: wien, jetzt, wolkenbruch, im aufzug, der wecker klingelt…

ort und zeit gehören zusammen.

im „wirklichen leben“ steht der ort ebenfalls an erster stelle. wird gefragt: wer bist du, so ist das eine frage nach dem woher kommst du. (TEREZIA MORA)

einen sinn für orte und plätze zu haben, beeinflusst eine handlung. es kann sich bei einem beschriebenen ort um ein destillat aus mehreren orten handeln. man braucht einen guten grund, den ort der handlung nicht zu beschreiben. (W.G. SEBALD)

üben Sie sich in anfängen von geschichten: schauen Sie nach, wie berühmte stories beginnen