DIGITALE PANSMUSIK

DIESER JUNGEMario Osterland lobt in der novastation Crauss‘ jüngstes digitalbuch: „DIESER JUNGE. DIGITAL TOES gehört mit abstand zum sinnlichsten, das ich von Crauss je gelesen habe. seine gedichte sind ganz und gar frei von der eigentlich obligatorischen peinlichkeit, die erotischer literatur (der deutschen zumal) anhaftet […] Crauss‘ gedichte sind […] sprachlich so ehrlich, wie das begehren, für das die texte stehen. schnörkellos. lest alles von Crauss!“ – den kompletten artikel gibts auf Osterlands blog.

 

august und acker ˇ
für jacques austerlitz ¨ˇ

du schlägst die augen auf: sand. ˇ du schlägst die augen auf: schnee. ˇ du schlägst auf land und findest ˇ ein kind, das du manchmal warst. ¨ˇ

ein junge in hohen strümpfen, ˇ ein junge in seide in furchiger weisse ˇ aus augustwüste und acker. ˇ die nüstern blähen sich blutig, wünschen ˇ sich wind und nicht dieses geschürfte zuhause. ˇ ein junge in hohen strümpfen und goldenen fransen, ˇ und man hört einen heimlichen traktor, ˇ und man hört verschiedenes rufen. der junge ˇ hat ein glas in der hand, auf den rücken geschnallt ˇ die schuhe sind dreck ˇ aus augustwüste, acker und sand. ¨ˇ

du schlägst die augen auf: schnee. ˇ du schlägst die augen auf: rot. ˇ du blinzelst, der junge hebt seine hand. ˇ aufschlag, er hat dir gewunken ˇ und trinkt die orangen jetzt leer. ¨ˇ

KEIN VERGLEICH: original und fälschung

MOTORRADHELDmofaheld

 

 

 

 

 

 

 

 

man muss es nicht gleich eine plumpe fälschung nennen, aber ein vergleich zwischen Lars Niedereichholzens MOFAHELD (fälschung, 2016) und dem 2009 erschienenen original MOTORRADHELD von Crauss wird ganz sicher zugunsten der im ritter verlag wien/klagenfurt erschienenen prosa ausfallen.
denn wo bei Niedereichholz („für meine kinder. trinkt keinen schnaps!“) „sämtliche personen und handlungen frei erfunden“ sind, ist bei Crauss alles echt: jawbreaker, 12incher, die 80er. MOFAHELD will durch gemütlich-witzige nennung von kindheits-accessoires und in einem sich an poetry-slam-muster annähernden stil den leser fangen. Crauss aber, so Matthias Fallenstein in einer rezension, „vermeidet jede andeutung einer didaktischen geste. ihm ist bewusst, dass zukunft befristet ist, dass es ein ende geben wird, so wie die jugend vorbei ist und nur noch rückblicke auf die vergangenheit erlaubt sind: blicke durch eine unüberwindlich trennende, wenn auch durchsichtige scheibe. wer diese distanz nicht respektiert,“ macht sich lächerlich.
so ist in wirklichkeit MOTORRADHELD „der roman des phänotyp jugend seit den 80er jahren. neben zahlreichen anderen literarischen verweisen, anspielungen und zitaten findet sich auch eine erinnerung an Gottfried Benn. nur dass Benn in seinem roman des phänotyp, von dem Crauss‘ prosa […] gar nicht allzu weit abweicht, jene generation alter männer vor augen führt, die eine vergangenheit loswerden wollte und darum ihr politisches handeln leugnete und erzählbare geschichten verschwieg, während Crauss das porträt der heute jungen generation zeichnet, die keine zukunft vor sich sieht und daher auf handeln und geschichte gleich im vorhinein verzichtet. man hängt ab, tanzt, flirtet, säuft bis zum koma. für immer disko? Crauss weiss genau: disko lügt.“

MOTORRADHELD ist nichts als die WAHRHEIT in ihrer erotischsten form. egal, ob es sich bei den einzelnen texten in MOTORRADHELD um gesprächsnotiz, kurzgeschichte, fingierte zeitungsmeldung, essay oder montage handelt: bei aller methodischen strenge erweist sich Crauss als fabulierfreudiger und umwerfend komischer erzähler mit einer vorliebe für BEAT und PORNO. und da, mit verlaub, können ein batiktuch („es riecht modrig“), ein kopfhörer („an dem ich vorsichtig schnuppere und fast enttäuscht feststelle, dass er nicht nach furz riecht.“) und ein altes mofa wirklich nicht mithalten!

CROWD OMNIBUS TOUR – LOS GEHT’S!

das CROWD network, ein zusammenschluss deutscher, griechischer und österreichischer literaturvereine, unternimmt 2016 eine bustour von finnland nach zypern – quer durch europa. jede woche wechselt die besatzung des literarischen spielmobils. die ersten performances fanden bereits statt. Crauss wird in thessaloniki, veroia, volos, delphi und athen dabeisein. selbstverständlich nicht nur auf deutsch und englisch, sondern auch mit gedichten in griechischer sprache.

sweet n’dr’thƏ

A/O
kumm, sweet n’dr’thƏ

łah aihl- łah, aihl- lł-väh
th-aihl łah łah, ah ahil łah łah: th-héhé
n’dr’thƏ (räh rhøø – hH Hh hH Hh h)

es liess mich einfach nicht ruhen. ich hatte immernoch den klang dieses gedichts im ohr, diese fremde und doch so vertraute sprache. A/O, das junge talent von anfang und ende, würde einmal eine grossartige performerin werden. meine liebe freiundin, FrauProfessor, hatte mir ein video der klangkünstlerin geschickt – also übersetzte ich, damit es erhalten bliebe „kumm, sweet n’dr’thƏ“
wie wunderbar da im zweiten vers mit wiederholungen des ersten gearbeitet wird! ohne abzuflachen, im gegenteil: die wendung zum „th’héhé“ am ende des verses signalisiert die vollständige beherrschung formalen geschicks.

BUNTE SOCKEN in brest


brest
(
deck schrubben)

echt! die matrosen von brest sind wirklich real!
du aber liegst in der wanne und weisst keine art,
dir auf die maghreb-schönen einen zu keulen.
das leben ist keine kulisse, aber alles geleckt,
      selbst das licht
in dem film, der hier spielt, schmeckt nicht
nach blut, sondern touristen mit erdbeer.
BUNTE SOCKEN TRAGEN

KRÖHNKE KOMMT !

24. April 2016, 15.00 Uhr
Zurück vom Mondgebirge: Ende der Fuchsjagd
Friedrich Kröhnke anlässlich seines 60. Geburtstags

vorgestellt von Crauss (Gemeinsame Lesung)
ZKF, Zentrum für Friedenskultur, Kölner Str. 11, 57072 Siegen

Friedrich Kröhnke (c) Crauss.Friedrich Kröhnke, 1956 geboren, gilt als feinsinniger Stilist. Seine Romane schwingen lange im Leser nach, stets beschreibt der Autor auch sein eigenes Leben, vor allem aber erzählt er Geschichten von der Liebe, von der Unrast des Neurotikers und vom Reisen, ohne wirklich anzukommen: einmal um die Welt und darüber hinaus.

In Kröhnkes Miniaturen und frühen Romanen geht es ums Erwachsenwerden, die erste sinnliche Begegnung mit Büchern, um die geröteten Wangen beim Verschlingen von allem, was man als Jugendlicher in die Hände kriegen kann. Es sind diese ersten Bücher, die eine unbestimmte Sehnsucht nach Ferne und nach großen Gefühlen wie in alten Filmen erzeugen. Und es ist der ältere Herr auf der Domplatte oder in der U-Bahn, der dem Füchschen zeigt, was es so gibt. Freilich, dieser Herr bleibt allzu oft allein zurück, enttäuscht, ein gealterter Stromer, dessen einzige Chance zu überleben jene ist, sich bald wieder auf den Weg zu machen mit einem neuen, jungen Gefährten.

Zwei Buchtipps, nämlich zur Diebsgeschichte und zum Ratten-Roman gibts hier

DIE PEST. THE PLAGUE YEAR 1665

Weltweit gibt es heute noch 4.000 Pestfälle im Jahr. Von 1978 bis 1992 meldete die Weltgesundheitsorganisation 1.451 Todesfälle in 21 Ländern. In den USA erkranken jährlich zehn bis zwanzig Menschen an der Pest. Im Jahr 2014 starben in Madagaskar, in einem Mitte November noch grassierenden Pest-Ausbruch, mindestens 40 Menschen.

PEST

 

 

 

 

 

 

Das bekannteste Beispiel einer Pestepidemie ist die große Pest von 1665, die Samuel Pepys in seinem Tagebuch festhielt und Daniel Defoe in seinem Buch Die Pest zu London bechrieb. Pepys‘ Tagebuch ist akribisch und hält Persönliches und Öffentliches gleichermaßen fest, mit bemerkenswerter Offenheit auch eigenen Schwächen gegenüber. Mit 59 Jahren veröffentlichte Daniel Defoe seinen „Robinson Crusoe“, drei Jahre später die journalistische Arbeit „A Journal Of The Plague Year“ (1722). Er gilt als einer der Begründer des englischen Romans. Im Bericht über die Pest, die er selbst nur als 5jähriges Kind erlebt hatte, mischt er mündliche und schriftliche Überlieferungen von Zeitzeugen mit genau recherchierten Daten über den Verlauf der Seuche, Sterblichkeit, Wetter, Verordnungen und anderem.

Crauss liest …

Carter Brown… Crater Browns heisse höschen – kaltes blut: Danny Boyds besucherin war hochmodern gekleidet, aber sie kam mit einem uralten anliegen: sie wollte endlich heiraten! zwei ihrer verlobten waren eines rätselhaften todes gestorben, nun soll Danny als dritter angeheuert werden. für 5.000 dollar und vier vorverlegte flitterwochen. der privatdetektiv vertauscht die palmenstrände hawaiis mit sydneys wolkenkratzern – um zu erfahren, dass es aus dieser hochzeitsnacht kein erwachen gibt!

geröteten angesichts tauchte Sonia aus dem sitzkissen auf und strahlte mich an. „ich freue mich so für dich, Danny! und jetzt kann ich endlich diesen scheusslichen alten bikini wegschmeissen. wir brauchen ihn nicht mehr.“

KNABENWEIHER ST. GALL

die bueben-, mannen- und chrüzweieren oberhalb der stadt versorgten st. gallen bereits seit 1610 mit wasser. seit beginn des 18. jahrhunderts kann man hier baden und badende bewundern, wie es Walt Whitman später am hudson river tat (»junge männer, sehr vertraulich«) oder Thomas Böhme zwischen leipzig und ostsee. Crauss schliesst sich im neuen e_book an. DIESER JUNGE ist in allen online-shops, bei Crauss und beim verlagshaus berlin zu haben. mehr zum buch und zum lyricode gibts auf der medienseite.

man möchte schon ohs ausrufen

CRAUSS MISSTRAUT DER UNSCHULD DER BENGEL!

DIESER JUNGECrauss goes digital! jetzt gibts überall, wo es bits und bytes gibt, auch ein e_book von Crauss:

DIESER JUNGE. DIGITAL TOES erscheint im verlagshaus berlin für 6,99 euro (bestellen). „man möchte schon ohs ausrufen und ahs“, denn dieses album mit „verlockenden melodien, süss und sehnsüchtig aus der ferne herüberwehend“ (M. Fallenstein) gibts nicht als hardware, sondern ausschliesslich digital!

wald, badende, strand: idyllen bergen begehren und die lust, sich auf spurensuche zu begeben. die jungen rehaugen, die der autor projiziert oder erinnert, sind niemals geschaute, sind manchmal die eigenen, vor allem aber sind sie gut fürs photoalbum. sie leuchten in cinemascope und technicolor. die digitalen burschen knacken mit den zehen und  winken in lässigen gesten, deren barocke schnörkel CRAUSS in seinem e_book neu vertont und später beschneidet. jeder angedeutete bezug auf eine musik, eine photographie oder einen film fordert einen schlag in den nacken. THIS BOY … is phototronic. ausführliche tracklist

„Crausstexte sind pansmusik“, schreibt Matthias Fallenstein im nachwort des albums. „den dem Pan eigentümlichen ton trafen und treffen in deutschsprachiger dichtung nur wenige autoren, erotische sprache zerfällt zu oft und zu leicht in die extreme plumpester zoten auf der einen, äusserster sublimierung auf der anderen seite: was aber pansmusik genannt werden darf, kann beides und hält sich souverän dazwischen […]
Crausstexte richten den begehrlichen blick auf jungs. freilich geht es Crauss nur selten um solche engelsgesichter, die, kaum vierzehnjährig, noch miteinander raufen, wenn sie einander schon küssen könnten. Crauss misstraut der unschuld dieser bengel. […] sie sind manchmal durchtrieben, oft rauhbeinig, […] mit der dunklen, aber nicht abzuwehrenden sicherheit ihres getriebenseins wissen sie, was sie wollen und wie man drankommt.“

Elke Heinemann bespricht in der FAZ vom 09.03.2016 und auf ihrem blog den lyrik code, in dem das verlagshaus berlin die gedichte aufs mobile medium transportiert, ohne die variabilität und fragilität der gedichte durch überflexible einstellmöglichkeiten durch den user zu zerstören.

volle blüte im lyrik-code