Crauss liest …

… Bastian Schneider: Irgendwo, jemand. Die Kölner Parasitenpresse veröffentlicht seit 17 Jahren deutschsprachige Lyrik als altpapiergeheftete Bücher und Lyrik-Taschenbücher aus BeNeLux und Südamerika. Einer der konzentriertesten Bände ist der vor kurzem erschienene Doppelzyklus Irgendwo, jemand des in Siegen geborenen Bastian Schneider. Die Gedichte nähern sich dem großen Thema dieser Zeit: Flucht und Migration, und wie wir […]

Populäres Gedicht Nr. 17

Mr. Amerika geh doch endlich wieder weg du bist wirklich nur noch der letzte Schrott in deinem feuerfesten Maßanzug aus Super-super-kryptonit-Stoff auch wenn du dich in deinem eigenen Kopf ab und zu so einsam fühlst wie ein verloren- gegangenes Popkorn […] […] während du nichts anderes von dir gibst als ein millio- nenfach gesteigertes POW […]

SCHÖNER SCHREIBEN, authentizität und geschmacksurteil

die echtheit, also authentizität eines textes kann sich durch geringe phrasenhaftigkeit, durch geringe verwendung hochgestochener sprache ausdrücken. hier steht authentizität für einfachkeit. echtheit liegt etwa auch im widerstand gegen einen gewissen zeitgeist. das geschmacksurteil ist kein rein subjektives, das im belieben des einzelnen steht, vielmehr gibt es objektive, also im objekt liegende kriterien, die das […]

SCHÖNER SCHREIBEN, originalität

originalität/ grenzüberschreitung ist nicht zu verwechseln mit dem „originellen“ als interessantheits-kriterium. ein werk soll ausser welthaltig zu sein der realität etwas neues, eigenes hinzufügen. zeichen der originalität kann zb. etwas spezielles innerhalb einer figur sein. deutliche beispiele nicht-originaler, sondern eher schablonenhafter charaktere finden sich in groschenheften. man erwartet von der kunst, dass sie dem bekannten […]

SCHÖNER SCHREIBEN, interessantheit

würden wir bei einem gereimten gedicht das jeweils nächste wort mit sicherheit voraussagen können, wäre das gedicht langweilig. ohne den aufbau einer erwartungsspannung würden wir nicht weiterlesen. das wertkriterium verlangt, dass literatur nicht langweilig, sondern originell sei. das kann bei gedichten eine sprachliche  schönheit sein, die spannung einer erzählung (wie geht sie aus) oder die […]

russsischer zopf – und pflanzen rasen

Friedrike Mayröcker: und Pflanzen rasen … in: Die Hölderlin Ameisen. Vom Finden und Erfinden der Poesie. Hg. v. Manfred Enzensperger. Köln: DuMont 2005 Geschrieben hat Friederike Mayröcker dieses Gedicht am 23. und 24. Juni 2004. Das Craussgedicht, auf das sie sich bezieht, wurde in LAKRITZVERGIFTUNG  als auch in Mayröckers meine 25 lieblingsgedichte (styria verlag 2012) abgedruckt […]

SCHÖNER SCHREIBEN, ambiguität

dort, wo dichtung eindeutige aussagen macht, ist sie selten gross und tief. am wahrhaftigsten ist sie, wo sie ein gestochen scharfes röntgenbild (die formulierungen, textaufbau etc) liefert, die diagnose aber offen lässt. ein werk kann zu anfang komplex wirken, dann besteht der genuss daran aus einem im fortlauf leichteren lesen. es besteht hier aber die […]

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