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Kategorie: SCHÖNER SCHREIBEN

TEXTE fürs SPRECHEN schreiben 12

die formulierung des themas muss anziehend sein, ohne marktschreierisch zu wirken. besser als der titel „die machtergreifung des nationalsozialismus“ wirkt zb. die frage: „wie kam hitler an die macht?“
„die anschaulichkeit ist das fundament aller erkenntnis“ (Pestalozzi); anschaulich sind charakteristische einzelheiten, abstrakt dagegen summarische zusammenfassungen. vor allem zahlen sollte man einkleiden. kein mensch kann ein dutzend statistische zahlen ohne weiteres im gedächtnis behalten, wohl aber, wenn sie anschaulich gemacht werden.

nicht vieles, aber viel sagen! in einer rede sollte man nicht zuviel auf einmal wollen. ein gedanke, der sich einprägt, ist besser als fünfzig, die zum einen ohr hinein- und zum anderen wieder hinausgehen. „besser einen richtigen nagel fest einschlagen als ein paar reisznägel lose hineinstecken.“ (Spurgeon)

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TEXTE fürs SPRECHEN schreiben 10

ebenso wichtig ist das überarbeiten des fertigen texts. bei der gesamtkontrolle stellt man fest, dass dieses und jenes doch nebensächlich ist und weggelassen werden kann: „dreiviertel meiner ganzen literarischen tätigkeit ist überhaupt korrigieren und feilen gewesen.“ (Th. Fontane)

vereinfachen Sie formulierungen, die zu hochgestochen oder abstrakt wirken. bedenken Sie: Ihr publikum kennt sich mit dem thema nie so gut aus wie Sie selbst.

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TEXTE fürs SPRECHEN schreiben 9

nehmen Sie sich zeit, arbeiten Sie systematisch:
(1) finden Sie heraus, was überhaupt zu sagen ist.
(2) sammeln Sie stoff und
(3) gliedern ihn, ordnen Sie den stoff aber auch mit witz (effekt); verknüpfen Sie einzelheiten zu einem
(4) gedankenfluss, formen sie diesen dann
(5) stilvoll aus, sodass das gesagte vom publikum gern gehört/ gut aufgenommen wird.
(6) überprüfen Sie noch einmal die gliederung, übergänge und kernsätze, prägen Sie sich dann Ihre rede
(7) gedächtnismäßig ein und üben Sie das
(8) sprechen.

die rede muss / darf langsam wachsen. gedanken lassen sich nicht am fliessband produzieren! brainstorming wird oft überschätzt. einzelne schwierigkeiten, die bei der vorbereitung quälen und nicht völlig überwindbar scheinen, werden oft blitzschnell erleuchtet und während des vortrags selbst geklärt. das wort, das man ausspricht, wirkt nämlich nicht nur nach aussen, sondern auch nach innen.

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TEXTE fürs SPRECHEN schreiben 6

ein routinierter erzähler/ schreiber wird versuchen, sich schon vor beginn des erzählens/ schreibens ein erzählgerüst herzustellen, an das er sich halten kann – eine gedankenordnung, die seinem text richtung und ziel gibt. das textkonzept kann aus stichworten bestehen oder einem abstract/ fliesstext, der die handlung zusammenfasst.

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Voguing auf dem Laufsteg des Ich: Online-Workshop

Die SelbstVERSuche des Hauses für Poesie Berlin erkunden diesjahr die Aktualität und historische Kontinuität queerer Lebensstile in der Poesie. Bereits in der persischen Ghaselendichtung war die homoerotische Liebe fast das einzige amouröse Thema, von Shakespeare bis Stein, von Rumi bis Dickinson haben große DichterInnen viele ihrer schönsten Gedichte dem eigenen Geschlecht gewidmet.

Im Workshop erkunden die TeilnehmerInnen in gemeinsamen Schreibexperimenten unter der Leitung des Dichters und Kulturpädagogen Crauss Scheu und Selbstbewusstsein im poetischen Ausdruck von Bromance, Friends-Forever-Fantasien und dem Anschmachten des eigenen Geschlechts. Die Veranstaltung findet als Webinar mit zugehörigen E-Learning-Elementen (Textkarten, Schreib-Pad und Zoom-Konferenz) statt.

Montag, 04. Mai 2020, 17–20 Uhr – Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Anmeldung unter: mitmachen@haus-fuer-poesie.org

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SCHÖNER SCHREIBEN, METHODEN 5

nichts was Sie sich ausdenken wird so haarsträubend sein wie das, was Sie von anderen menschen erzählt bekommen. [W.G. SEBALD]

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SCHÖNER SCHREIBEN, METHODEN 4

ich könnte Ihnen etwas von random-elementen in meinen texten erzählen und dass ich mein wortmaterial auflade, atomisiere, deformiere, dass ich collagen… mache, dass ich verba substantiviere, substantiva verbalisiere, dass ich eine armee von satzzeichen einsetze, um sie attackierend, lockend, besänftigend [verzögernd] funktionieren zu lassen, dass ich wiederholungen verwende, vor allem als leitmotive, dass eines meiner hauptanliegen darin besteht, disparates zu harmonisieren. [F. MAYRÖCKER]

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SCHÖNER SCHREIBEN, METHODEN: anlässe

die formulierte welt mit halbem ohr hören, und so das zeremonium verquer stellen, heisst doch wohl: die welt anders zusammensetzen, sie schräg von unten oder halbwegs links von oben sehen – heisst doch wohl: in diesem moment einmal wieder sehen. [ERNST JANDL]

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SCHÖNER SCHREIBEN, METHODEN: haltung/ herangehensweise 2

schreiben heisst, bisher unerhörte/ nicht gesehene dinge zu entdecken. geht es nicht darum, besteht kein anlass zu schreiben.
sei unbedingt experimentierfreudig – aber lass den leser an deinem experiment teilhaben. schreibe über obskure dinge, aber sei nicht selbst obskur. [W.G. SEBALD]

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SCHÖNER SCHREIBEN, METHODEN: haltung/ herangehensweise 1

ich schalte, um meine maschine in gang zu bringen, auf erinnerungspunkte irgendwelcher vergangenheit, bringe dadurch etwas ganz intensiv in die mitte meines bewusstseins, wo es lebendig dasteht, zu sehen, hören, riechen, betasten, und in einer eigenbeweglichkeit, die es aus dem zustand des eingebettetseins in einen erinnerungsablauf befreit. [F. MAYRÖCKER]

nicht das wahrnehmen eines zufälligen erinnerungsfetzens also, sondern ein aktives hinwenden an den gegenstand der erinnerung, sodass er „beweglich“ wird, also nicht als erinnertes beschrieben werden muss, sondern als gegenwärtiges, gerade im augenblick vorhandenes.

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SCHÖNER SCHREIBEN, sprache, gestus, stil 6

form 3

vermeiden Sie adjektive; sie blähen eine geschichte allzu sehr auf, wo man mit starken verben ebensoviel erreicht: er verschlang die nudeln statt er aß laut und ungeduldig die nudeln

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SCHÖNER SCHREIBEN, sprache, gestus, stil 5

form 2

lange sätze bewahren Sie davor, andauernd die figur beim namen zu nennen (Gertie tat das, Gertie fühlte jenes). andererseits kann sich eine noch so banale handlung leicht in zu langen sätzen verheddern.
benutzen Sie das wort und so selten als möglich, versuchen Sie, sätze variantenreich zu verbinden.

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SCHÖNER SCHREIBEN, sprache, gestus, stil 4

form 1

machen Sie unbedingt absätze. kleine happen lassen sich besser verdauen. auf einer grossen, einheitlichen textfläche gleitet das auge aus – und aus dem text heraus.

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SCHÖNER SCHREIBEN, sprache, gestus, stil 3

achten Sie darauf, ein unmotiviertes oszillieren der erzählzeit zu vermeiden. wenn Sie in der vergangenheitsform beginnen, sollten Sie auch mit ihr enden. tempuswechsel können sinnvoll, müssen aber motiviert sein. ein (befristeter) wechsel von präteritum in präsens kann einer story mehr geschwindigkeit/ „näheres dransein“ an der aktion verleihen (zb wie bei einem live-reporter).

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