“______“ / LAND

Baruthder photokünstler Marc Baruth erforscht in seiner neuen Arbeit “______“ / LAND aspekte der landschaftsphotographie und digitaler bildmanipulation. basierend auf alten s/w-photos aus familienalben werden landschaften in den fokus gerückt, die vormals lediglich kulisse waren. die Spuren des dagewesenen sind noch sichtbar, leerstellen auffällig. wie verändert sich ein bild, wenn man es seiner ursprünglichen intention „beraubt“? eine unheimliche schönheit geht von den monochromen aufnahmen von wäldern, wiesen, häusern und seen aus, die ihr geheimnis nicht gleich preisgeben.

Baruth3Marc Baruth macht ein buch daraus mit etwa 52 seiten, ca. 20 farbigen abbildungen, festem einband in 25 x 21 cm und einem text von Rudolf Scheutle, jedes exemplar mit einem signierten und nummerierten abzug, gedruckt bei seltmann & söhne.

allerdings ist hilfe notwendig. damit das werk realität wird, müssen noch ca. 4.000,- EUR her. deshalb wird zur subskription angeboten bis 23.09.2015: 1 signiertes und nummeriertes exemplar mit einer der vier abgebildeten sondereditionen und namentlicher erwähnung in der danksagung des buchs für 89,90 EUR. danach, bis zum 11.10.2015 – wie oben – für 119,80 EUR. ab mitte november soll das buch für 149,80 EUR in den handel.

wer sich nicht sicher ist, geht in die Art Galerie Siegen. Helga Oberkalkofen vom 15.11.15 bis 09.01.16 Baruths: „______“/LAND in der Fürst-Johann-Moritz-Str. 1 in der siegener innenstadt.

 

Crauss liest …

diebsgeschichteFriedrich Kröhnkes diebsgeschichte über einen berliner stadtneurotiker. erstaunlich, dass diebsgeschichte eine art reisebuch ist und sich einreiht in die vorigen romane, in denen es nach asmara, estland, prag, indien und mexiko ging. denn die diebsgeschichte spielt sich in berlin ab.
von da und dieser auf den tagedieb Kleymann zu kommen, ist ja nur ein kleiner schritt, zumindest ein guter übergang, wie ihn ein dj schätzen würde. der protagonist des ratten-romans scheint „in einer ungenauen und mäszig durchdachten weise von dem zusammenhang zwischen jungenschönheit und sozialistischer morgenröte überzeugt.“ genügt es zu sagen, ratten-romandass Kleymann „einfach ’so eine sozialisation‘ erfahren hat? dass er in jenen jahren, die er selbst seine ‚kampfzeit‘ nennt, von den keuschen und treuen und aufregenden und wechselnden beziehungen zu erst gleichaltrigen und dann, während er älter wurde, immer jüngeren jungen geprägt worden ist? und dass ihm diese gewordenheit und geschichtlichkeit seiner selbst eben behagt? so jedenfalls sieht ers.“

ratten-roman. berlin: verlag rosa winkel 1986
diebsgeschichte. salzburg: müry salzmann 2015

ja, ich habe vollstes verständnis, …

kein hübbelbummler … dass durch die siegener oberstadt ausnahmsweise mal kein wahnsinnig lauter und viel zu grosser pendelbus fährt, den meist doch niemand nutzt. ich will den bus auf meiner website garnicht zeigen, so hässlich ist er auf vintage getrimmt. und ja, ich habe auch verständnis dafür, dass manche diesen bus brauchen, um an ihr ziel zu gelangen. aber wäre nicht eine nummer kleiner schicker? muss es unbedingt ein doppeldecker für oft nicht mehr als fünf fahrgäste sein? und: sollte man, wenn der bus schon in der fuszgängerzone erlaubt ist, also wohl keine gefährdung darstellt, nicht endlich auch das radfahren erlauben? gestern liefen fünf, heute vielleicht zwölf menschen zwischen löhrstrasse und kölner tor. auf der breiten fläche gibts genügend ausweichpotential, zumal bergauf die (meine) fahrgeschwindigkeit nur bei etwa 6 km/h liegt. die stadt siegen scheint, so hatte es den eindruck spätestens seit der verpassten einrichtung eines radwegs beim umbau des kölner tors, garnicht zu rechnen damit, dass in der innenstadt jemand radfahren möchte (und nicht bloss auf dörflichen freizeitrouten). schon garnicht kann man glauben, dass jemand hier auch noch bergauf radelt. so, liebe planer und herrscher über recht und verkehr, wird es allerdings auch niemals mit siegen bergauf gehen!

1997-2013, ein rückblick auf 25 kritische ausgaben

band 5 der im weidle verlag erscheinenden edition kritische ausgabe gibt einen rückblick auf 25 ausgaben der bonner zeitschrift für germanistik und literatur. die herausgeber Marcel Diel, Benedikt Viertelhaus und Fabian Beer präsentieren aus siebzehn nummern je einen herausragenden aufsatz, beispielsweise über „pop, hotels und zeichensysteme“ (Ralf Hanselle), „Jüngers ästhetik der ‚werkstättenlandschaft'“ (Jürgen Brokoff) oder den „säufer-poet“ ETA Hoffmann (Marko Milovanovic). edition KA

Crauss hat sich zum kapitel über die „literarische provinz“ in „die mitte der welt“ begeben: ganz gleich, ob wir unser dorf schabbach oder klafeld nennen – wir erkennen unsere heimat oft nicht wieder, wenn uns das fernweh gepackt hat und wir erst nach jahren aus der welt zurückkehren. der autor und filmemacher Edgar Reitz hat sich ein halbes leben lang mit der sehnsucht der weggeher und den nöten der daheimgebliebenen beschäftigt. und er hat gefunden, dass wir die heimat in unserem herzen mit uns tragen, egal wie fern wir fliehen. auch, wenn die abkehr von der provinz ein lebenslanger motor ist: im dreiteiligen »heimat«-epos zeigt Reitz, dass sich an einem dorf und einer ländlichen region das schicksal der gesamten nation widerzuspiegeln vermag.
Crauss erzählt die geschichte von Maria Simon, die, geboren 1900, stets genauso alt wie das jahrhundert war – und den werdegang ihres sohnes Hermann, dessen erste liebe aus dem dorf verjagt wird und der seiner heimat selbst den rücken kehrt mit einem schwur, nie wiederzukommen. alles, was erzählt wird, hat sich wirklich ereignet – nichts hat sich so ereignet, wie es erzählt wird.

detail|kunst|sporen 2

mara schimmelbilddas projekt badstrasse außer haus eröffnete kürzlich die vorerst letzte ausstellung in der bedürfnisanstalt am siegener obergraben, worüber Sarah Stöcker für die siegener zeitung einen interessierten artikel schrieb, in dem auch die irritierten blicke der passanten angesprochen wurden, die sich nicht vorstellen konnten, dass in einer öffentlichen toilettenanlage ein empfang stattfand. peter klanghandlungnachdem Peter Strickmann (saarbrücken) seine urinal-installation aktiviert sowie eine klanghandlung mit improvisiertem instrumentarium vorgenommen und Mara Genschel (stuttgart) den schaukasten der sz mit durch pilzkulturen versetzten mini-ausschnitten des blatts nachgestellt hatte, staunten beteiligte wie gäste nicht schlecht: wie auf zuruf tauchte der wagen eines sachverständigen für schimmelpilzbefall im obergraben auf, hielt allerdings auf abstand, wohlmöglich im wissen, dass kunst, zumal sie sich wie pilze oft ’sporadisch‘ verbreitet, ein weitaus gefährlicherer gegner sein kann als simpler schimmel.

schimmelpilz auto

 

die ausstellung jedenfalls entwickelt sich weiter und ist jeden donnerstag 19:30 bis 22:00 sowie samstags 13-16 uhr zu besichtigen, bevor am 26. september 2015 Peter Strickmann sich nochmals einem künstlergespräch stellt.  

schrift bild aktion am 20.08.15 in siegens bedürfnisanstalt

mara pilzexpertinder mobile kunstraum badstrasse außer haus freut sich am 20.08. ab 19:30 uhr auf Mara Genschel und Peter Strickmann: text- und klang in der bedürfnisanstalt obergraben/ siegen.

Peter Strickmann nimmt mit „rumkugel“ klanghandlungen vor und spricht mit Mara Genschel, die als lyrikerin sehr stark an der dehnung des literaturbegriffs interessiert ist und in siegen das langzeitprojekt eines „lebend-zyklus“ weiterentwickeln wird.

gemeinsam mit zwei biologen der belgischen arbeitsgruppe bletter IGZ aus dem umfeld des koninklijk belgisch instituut voor natuuwetenschappen verwandelt sie hierzu ausgewählte räume der
bedürfnisanstalt in ein live-labor. in einem ähnlichen projekt in kassel ist es bereits gelungen, eine rattenart, die mit der in südostasien beheimateten, wasserliebenden sunda-riesenratte verwandt ist, experimentell in einem galerieraum anzusiedeln und zu beheimaten.
in siegen wird Mara Genschel versuchen, mehrere aggressive pilzarten (kreuzungen aus aspergillus, neorospora, chaetomium-kolonien etc.) zu entwickeln. die ansiedelung beginnt am tag der eröffnung. die klimatischen bedingungen in den ausstellungsräumen sind nahezu optimal, gerade auch aufgrund der hitzeperiode der vergangenen wochen und der hohen luftfeuchtigkeit innerhalb der ehemaligen toilettenanlage.

 

der „veranstalter, der Mara Genschel einlädt, […] weiss  nie genau ob ihr auftritt auch für ihn gänzlich gut geht. wenn es schiefgeht (aber auch, wenn es scheinbar gut geht) ist nie ganz klar, ob eine provokation intendiert war. […] so kann es vorkommen, dass eine veranstalterin vergrätzt zurückbleibt, obwohl das publikum angeregt folgte“, schreibt Bertram Reinecke in Mara Genschel Material /