SCHÖNER SCHREIBEN, figuren und charaktere 3

figuren brauchen details, die sie im gedächtnis des lesers verankern (W.G. Sebald). beispiel: „der busfahrer war ein dicker karpfen mit einem schnurrbart.“

William Gaddis‘ werk a frolic of his own (1994, dt: letzte instanz) „besteht nahezu vollständig aus hypernaturalistisch geformten dialogen. selbstverständlich bilden die redebeiträge in diesem roman die wirklichkeit nicht etwa 1:1, nach art eines fiktiven tonbandmitschnitts ab, diese dialoge wirken nur so, als ob. es ist eine vom autor ästhetisch gesteuerte realität. jeder figur seines romans verleiht Gaddis eine unverwechselbare sprecherphysiognomie, sodass er ganz ohne narrative personenzuweisungen auskommt.

anders dagegen James Lee Burke in mississippi jam: »eine flachbrüstige schwarze, wahrscheinlich eine polizistin in zivil, mit dünnen armen und einem mund voller goldzähne diskutierte lautstark mit [Nate]. ihre zerknitterte braune bluse hing lässig über einer dunkelblauen hose. ihr make-up war vom regen verschmiert, und sie trug halbschuhe ohne socken. Nate Baxter versuchte, sich von ihr abzuwenden, doch sie folgte ihm, hatte ihre hände in die schmalen hüften gestemmt, und ihr mund öffnete und schloss sich im strömenden regen.«