band 5 der im weidle verlag erscheinenden edition kritische ausgabe gibt einen rückblick auf 25 ausgaben der bonner zeitschrift für germanistik und literatur. die herausgeber Marcel Diel, Benedikt Viertelhaus und Fabian Beer präsentieren aus siebzehn nummern je einen herausragenden aufsatz, beispielsweise über “pop, hotels und zeichensysteme” (Ralf Hanselle), “Jüngers ästhetik der ‘werkstättenlandschaft'” (Jürgen Brokoff) oder den “säufer-poet” ETA Hoffmann (Marko Milovanovic). 
Crauss hat sich zum kapitel über die “literarische provinz” in “die mitte der welt” begeben: ganz gleich, ob wir unser dorf schabbach oder klafeld nennen – wir erkennen unsere heimat oft nicht wieder, wenn uns das fernweh gepackt hat und wir erst nach jahren aus der welt zurückkehren. der autor und filmemacher Edgar Reitz hat sich ein halbes leben lang mit der sehnsucht der weggeher und den nöten der daheimgebliebenen beschäftigt. und er hat gefunden, dass wir die heimat in unserem herzen mit uns tragen, egal wie fern wir fliehen. auch, wenn die abkehr von der provinz ein lebenslanger motor ist: im dreiteiligen »heimat«-epos zeigt Reitz, dass sich an einem dorf und einer ländlichen region das schicksal der gesamten nation widerzuspiegeln vermag.
Crauss erzählt die geschichte von Maria Simon, die, geboren 1900, stets genauso alt wie das jahrhundert war – und den werdegang ihres sohnes Hermann, dessen erste liebe aus dem dorf verjagt wird und der seiner heimat selbst den rücken kehrt mit einem schwur, nie wiederzukommen. alles, was erzählt wird, hat sich wirklich ereignet – nichts hat sich so ereignet, wie es erzählt wird.

nachdem Peter Strickmann (saarbrücken) seine urinal-installation aktiviert sowie eine klanghandlung mit improvisiertem instrumentarium vorgenommen und Mara Genschel (stuttgart) den schaukasten der sz mit durch pilzkulturen versetzten mini-ausschnitten des blatts nachgestellt hatte, staunten beteiligte wie gäste nicht schlecht: wie auf zuruf tauchte der wagen eines sachverständigen für schimmelpilzbefall im obergraben auf, hielt allerdings auf abstand, wohlmöglich im wissen, dass kunst, zumal sie sich wie pilze oft ‘sporadisch’ verbreitet, ein weitaus gefährlicherer gegner sein kann als simpler schimmel.

der mobile kunstraum 


zufall oder bedeutung, dass ich mir zur neuen lektüre über die stadt, die stets als grau und trostlos verschrien wird und deren bewohnern es seit je an selbstbewusstsein mangelt, aus meiner lesezeichensammlung ausgerechnet fonky silence herausgreife? 1963/64, als stadt auf eisernem grund erschien, war die stimmung jedenfalls noch positiv und auch der öpnv, über den ich persönlich mich in siegen mit am meisten ärgere, wurde gelobt: “drei omnibusbahnsteige bilden den bahnhof für den vorzüglich [!] ausgebauten nahverkehr, der siegen mit seiner näheren und weiteren umgebung verbindet.”
erst jetzt und per zufall entdeckt: Crauss‘ 2004er gedichtband 








