SCHÖNER SCHREIBEN, ambiguität

dort, wo dichtung eindeutige aussagen macht, ist sie selten gross und tief. am wahrhaftigsten ist sie, wo sie ein gestochen scharfes röntgenbild (die formulierungen, textaufbau etc) liefert, die diagnose aber offen lässt.
ein werk kann zu anfang komplex wirken, dann besteht der genuss daran aus einem im fortlauf leichteren lesen. es besteht hier aber die gefahr der langeweile.
ein werk kann hingegen eine sich im verlauf steigernde komplexität haben, dann besteht der genuss aus einem sich allmählich entwickelnden verstehen.
trotz mehrdeutigkeit/ ambiguität muss ein werk jedoch nicht schwierig zu lesen sein. mehrdeutig, das heisst auch: tiefsinnig kann auch eine simple story sein oder ein werk, das sich (aus unterschiedlichen gründen, aber aus gründen) selbst widerspricht. aus einer (überwindbaren) widerständigkeit ergibt sich genuss.

SCHÖNER SCHREIBEN, allgemeingültigkeit

typen, also nach eigenschaften typische, dh: einseitig gezeichnete charaktere, sind weniger interessant als differenzierte individuen.
allgemeingültigkeit bezieht sich aus dem was eines werkes, das durch das wie der form verstärkt wird. sie kann beispielsweise in der literature engagée, in politischen oder zeitnahen geschichten vorkommen (etwa Bölls Katharina Blum).

SCHÖNER SCHREIBEN, welthaltigkeit

die dichterische gestaltung von welt hat zwei dimensionen: fülle und tiefe.

der autor kann sich entscheiden zwischen der abbildung einer mehr oder weniger detaillierten aussenwelt und – als spiegelung – einer individuellen innenwelt.

die gefahr zu grosser welthaltigkeit ist das abgleiten ins bloss stoffliche, also die schilderung nicht weiterführender details und motive.

Cees Nooteboom meint: es ist ein stupider irrtum, dass nur, was wirklich weit weg ist, auch exotisch wäre. exotisch ist das, woran man im prinzip nicht teilhaben kann.

es gibt also auch in der kneipe um die ecke oder in der nachbarwohnung (innen)welten zu entdecken!

time remembered: lyrikjazz

jahrbuch der lyrik 2017seit 1979 gibt das jahrbuch der lyrik einblick in neueste entwicklungen der poesie in deutschland, österreich und der schweiz; für die 31. ausgabe konnte Christoph Buchwald die lyrikerin Ulrike Almut Sandig als mitherausgeberin gewinnen. gemeinsam haben sie die besten zeitgenössischen gedichte ausgesucht und in thematischen kapiteln zusammengestellt.
neben Crauss mit einer übertragung des jazz-stücks time remembered/ erinnerte zeit von Bill Evans und Paul Lewis sind im lyrikjahrbuch ua. Lea Schneider, Johannes Kühn, Carl-Christian Elze, Björn Kuhligk, Yevgeniy Breyger, Julia Trompeter und Greta Ganderath vertreten.

ADAM GREEN in GRÜNDAU

Adam Green in Gründaues muss kurz nach der veröffentlichung des kleinen büchleins mit drei dorfgeschichten gewesen sein, als Adam Green, unanständiger singersongwriter auf dem höhepunkt seiner karriere, keinen besseren platz für ein autogramm fand als auf der rückseite der frau von gründau.
„es sei eine helle aufregung gewesen im dorf. einige männer hätten sich lautstark gewehrt gegen die vermutung, man habe etwas zu tun mit dem leichenfund. ein verbrechen in usnerem dorf? unmöglich! ob er, der postbote, denn nicht ein stück näher herangekonnt hätte, um ihr gesicht zu sehen? dabei hätten die männer tiefe züge aus ihren krügen genommen.“
meine lieblingswirtin, die 2006 zum Adam Green konzert ging und das autogramm für mich erjagte, muss jedenfalls ziemlich dicht herangekommen sein …

das heft ist weiterhin bei sukultur zu haben! neben der titelgeschichte geht es um „aufgeplatzte, angeschwemmte leiber“ und eine bayerische „nacht in szenen“.

GLORY HOLE: EIN SCHARFES BILD

ein scharfes bild

GLORY HOLE – nachrichten von drüben wurde 2013 vom schriftsteller Max Höfler gegründet und ist ein sogenanntes leinwandliteraturmagazin, das jede nacht auf die aussenleinwand des forum stadtpark in graz projiziert wird. mittlerweile gibt es xxxvi ausgaben, das aktuelle loch wird von Clemens Schittko bespielt. Crauss hat aus issue xiv ein scharfes bild gemacht. das video gibts hier.

ein scharfes bild