fetisch-texte im heimlichen auge

jahrbuch der erotik 34Crauss hat devote männer interviewt und zu ihrem fetisch befragt: blossgestelltwerden in der öffentlichkeit, unangenehme dienste verrichten etc … acht der interviews wurden in einem text kombiniert und sind jetzt nachzulesen in SCHUNDFAKTOR sowie im 34. jahrbuch der erotik, herausgegeben von Uve Schmidt und Claudia Gehrke, der unermüdlichen chefin des tübinger kunkursbuch verlags.

weiter im heimlichen auge gibts sailor’s delight, eine anleitung nach bravo- und dr.-sommer-manier, wie man sich als notgeiler teenager einen porno leicht selber basteln kann. 384 seiten satt hat die erotikanthologie. bebildert!ich leide unter meinen gefühlen (bravo 26, 1986-06-19)

Unterwegs mit Crauss – Schullesung in Düsseldorf/Benrath

Schullesung Schloss Benrath, Foto (c) Jan Lüdecke„Dann erscheint ein rothaariger und etwas dicklicher Mann mit Brille neben dem Beamer [und] erzählt uns von seiner Lieblingstätigkeit: Das Verreisen, das Unterwegssein. […] Seine ruhige Sprechweise ändert sich, dynamisch und auch lautstark trägt er seine Texte vor. Seine erregte Tonlage reißt mich mit und ich versuche die Gefühle zu erfassen, die er in seinen Gedichten verarbeitet hat.“

So schildert Yousra Bakouri ihre Eindrücke der Schullesung mit Crauss im Schloßgymnasium Benrath. Es war ein mehr als angenehmer Morgen in der Benrather Orangerie, die rund achtzig Schüler* interessiert und kritisch, eben gut vorbereitet durch den Deutschunterricht. Crauss kommt im nächsten Jahr gerne wieder mit fetter Lyrikausbeute und nicht nur dicklich, sondern dick.

Wiedergelesen: Otto Abt und das Lied der Flöte.

Worte aus der StilleOtto Abt und das Lied der Flöte – Eine Streitschrift fürs Positive

Schreibaufgabe: 17 Silben, 3 Zeilen, 5-7-5. Wer glaubt, kurze Gedichte seien auch schnell geschrieben, irrt! Beinah ein Jahr hat der vom Niederrhein stammende Wahlsiegener Otto Abt gebraucht, bis er die etwa siebzig Haiku zusammen hatte. Herausgekommen ist eine Art Stundenbuch, verziert mit Geweben, Halterungen für die zarten Wortgespinste. Das Haiku ist eine alte japanische Gedichtart, ehemals gesungener Prolog zur Oper, auch Bildkunst, formschön hingepinselt, im Lauf der Jahrhunderte selbständig geworden. Immer geht es darin um eine Mensch-Natur-Betrachtung, beim Zwillingsbruder, dem Senryu führt die Reflektion vom Ich ins Allgemeine.

Nun ist es nicht einfach, eine Kunst, die so sehr an die asiatische Kalligraphie gebunden ist, ins Europäische zu übertragen, zum Beispiel mit Zeilensprüngen. Otto Abt hat eine Hand dafür. Hat immer schon diese Art der „Kleinkunst“ gemocht, hat ein asketisches Werk verfasst, für das man sich Zeit nehmen muss, auch wenn mans in einer Viertelstunde runterlesen könnte. Aber dann hätte man nichts verstanden. Die Kurzgedichte, die allesamt das Leben und Erleben des Dichters wie den Jahreskreis beschreiben, muss man zwischen Aug und Zunge zergehen lassen wie ein Haute Cuisine Gericht. Da hat man auch nicht den Teller voll. Wie einen guten Wein:

Das Rot der Rose
glüht dunkel wie schwerer Wein,
durchtränkt von Liebe.

Alles ist im Fluss, es gibt keinen Index, keine Kapitel, die die „Worte der Stille“ unterteilen, die Jahreszeiten gehen ineinander über, auf Dunkelheit folgt Wachstum, jugendliche Lebenslust:

Finsternis krallt sich
an mich, will mich verschlingen.
Mein Schrei stürzt in die Nacht.

Der Bambus biegt sich
im Sturm und erhebt sich stolz
im Licht der Sonne.

Und einem so engagierten Autor und Musiker wie Otto Abt, der sich mit Spenden und Aktion für Tsunami-Opfer engagiert, der Indonesiens mythische Geschichten einem deutschen Ohr verständlich zu machen versteht, der einen nach einem schweren Arbeitstag mit Tai Chi und Gamelan-Glocken in höhere, leichtere Sphären zu versetzen vermag — einem Mann, den 74 Lebensjahre nur äusserlich verwittern konnten, steht eine solch jugendliche Kraft gut zu Gesicht:

Herzschlag der Nacht; ich
ahne das All unter der
Decke aus Sternen.

Otto AbtDas ist ein Liebesgedicht! Eine Umarmung, die Abt nicht scheut. Gabi Bosch, Graphikerin, Freundin und Kupferstecherin liess sich gern umarmen und umgarnt zurück mit bunten Pinselstrichen, hellen Aquarellformen und Tropfmarkierungen, die sie sich extra fürs Buch der stillen Worte einfallen liess. Jedes Gedicht liegt in einem Nest aus getupften Wolken, grün, blau, lila. Vieles erinnert dabei an japanische Bau- und Schreibweisen, ist schlicht und einfach und schön anzusehn. Bild und Text unterstützen sich gegenseitig, ohne einander Inspiration zu rauben.

Beim Flug durch die Nacht
entdeck ich tief unter mir
ein einsames Licht.

Bei allem Poetischen: es handelt sich hier um ein sehr bodenständiges Buch, um nichts Verschwiemeltes und Aufgeschwulstes, wie man es oft bei Schreibern findet, die sich an Haiku heranwagen. Eine Streitschrift fürs Positive, ein Stundenbuch in Siegengrün.

Otto Abt: „Worte aus der Stille. Haiku/ Senryu.“ durchblick buchreihe, durchblick-siegen medien 2005

 

1 gedicht, 7 sprachen

Elizabeta Lindner, Crauss 2019im september war Crauss zu gast im europäischen übersetzer kollegium straelen, um mit Elizabeta Lindner an mazedonischen fassungen der Crauss’schen DRACHENSCHWÜRE zu arbeiten – einem best of der letzten dekade. als kleinen höhepunkt des arbeitstreffen gab es eine autorenlesung, zu der fünf weitere übersetzer Crauss‘ gedicht URANUS II bearbeiteten:

mazedonisch (Elizabeta Lindner)
spanisch (Claudia Cabrera)
portugiesisch (Sergio Tellaroli)
rumänisch (Andrei Anastesescu)
georgisch (Maja Badrize)
chinesisch (Han Ruixiang)

herzlichen dank allen für die mühe! URANUS II auf italienisch (Jo Jung), moselfränkisch (W. Kraus), niederländisch (Frans Roumen) sowie eine georgische fassung von Dato Barbakadse gibts übrigens im bestseller LAKRITZVERGIFTUNG.

E. Lindner, M. Badridze, Crauss 2019

NEULICH IM SCHRANK: CSD-Lesung in Siegen

csd-lesungKali Drische lebt mit ihrem Stammhirn (*1968, Berlin) zusammen. Weil beide schreiben, gibt es manchmal Streit um den Computer. Was dann herauskommt sind tragikomische Geschichten über „Körper, Sex und andere Widrigkeiten“. Anna Hetzer (*1986, Berlin) geht mit ihren Gedichten einen Schritt weiter und sucht „prasselnde Punkte“ im Strandbad: Küsse sind bei ihr erotische Zungenbrecher. Crauss schließlich (*1971, Siegen) versucht mit Texten wie „Big black Bone“ oder der Gerätebeschreibung „Fuccordeon bump fix 3000“ einen Spagat zwischen den Sirenen der Liebe.

Erst Workshop im GEGENWARTSMUSEUM, dann Lesung im frei:RAUM

mundvoll lesung

Die Idee, mehreren Sinnen gleichzeitig zu schmeicheln, ist nicht neu – sondern bewährt. Crauss bringt Gedichte und kurze Prosa aus seinen Werken mit, etwa »Schnaps und Schinken« aus dem Essaybuch SCHUNDFAKTOR oder »Reissnägelgulasch« aus seinem erfolgreichsten Gedichtband LAKRITZVERGIFTUNG. Aber keine Bange! Zu Essen gibt’s ganz Ungefährliches aus Kartoffeln, beispielsweise Reibekuchen und Suppe. Dazu legt der Antiquar Armin Nassauer thematisch passende Schellackplatten auf und bietet georgischen Wein zur Verkostung und zum Kauf an. Bitte die frühe Uhrzeit (18:30) beachten!

Und vorher am gleichen Tag: Schreibworkshop POLKE POLKA mit Crauss im Museum für Gegenwartskunst Siegen, 13:30-16:30

Inspiration kommt nie aus einer Quelle allein. Wir entdecken, was die aktuelle Ausstellung uns eingibt: z.B. lassen die Bechers ihr Fachwerk Fachwerk sein und machen Urlaub an Sigmar Polkes Pixelstrand … Bilder, Objekte und Texte mischen und verbinden sich unter der bewährten Anleitung des Dichters Crauss, über den ein Redakteur sagte, er schreibt „Erlebnislyrik zwischen rauschhaft erzählten, synästhetischen Episoden und meditativen Bild- und Sprachkonzentraten.“ Am Workshop kann jeder ohne besondere Voraussetzung teilnehmen. Gefragt sind bloß Neugier und Experimentierfreude. Beitrag: 19/15 Euro.

museumsworkshop