Kategorie: apparat

SCHÖNER SCHREIBEN … im gedicht, 9-11 (kontrolle und gleichgewicht)

9 Thomas Kling schreibt in botenstoffe: „gute gedichte sind immer produkte des kontrollierten aussersichseins, nicht von innerlicher schlafwandelei“; das gedicht/ der gedanke „fliesst“ also nicht aus mir heraus, ich steuere ihn! 10 und doch: „die wörter wissen mehr von uns als wir von ihnen“ (René Char) 11 Durs Grünbein in einer poetikvorlesung: „in der poesie kommt es, […]

SCHÖNER SCHREIBEN … im gedicht, 7-8

7 redewendungen und idiome bieten schöne charakterisierungsmöglichkeiten in gedichten oder short stories. John Creely: „ich denke an William Carlos Williams’ antwort, die er einem britischen professor gab, als der ihn nach einer lesung fragte, woher er seine sprache habe: ‚aus dem mund polnischer mütter’ – womit er nicht polnisch meinte, sondern das herbe, krude, gehemmte, […]

SCHÖNER SCHREIBEN … im gedicht, 4-6

4 die „not zu schreiben“ (Uwe Kolbe) und die „lust am text“ (Roland Barthes) soll auf leserseite gleichermaszen spürbar sein, damit sich beim lesen die reize hinter/ zwischen den bedeutungen: klänge, metrische spiele, brüche, bedeutungsdopplungen, notwendige ungeschlachtheit (das gedicht als wunde), überhaupt stilistische rafinessen, geniessen lassen. 5 Hubert Fichte macht sich gedanken über „gedicht oder reklamespruch: […]

SCHÖNER SCHREIBEN … im gedicht, 1-3

1 Peter Geist findet negative beurteilungskriterien, wenn es um gedichte geht: klischeereiches ( = unauthentisches) zeitgeistgestöhn, pseudopoetische bebilderung von thesen, stilposen und die soundsovielte imitation eines traklgedichtes. 2, die unschärfe loben: überraschendes, fesselndes entsteht durch das herausreissen der dinge aus ihren geläufigen zusammenhängen, sagt Walter Benjamin; durch eine bewusst gewordene/ gezielt herbeigeführte unschärfe im welterleben […]

SCHÖNER SCHREIBEN, authentizität und geschmacksurteil

die echtheit, also authentizität eines textes kann sich durch geringe phrasenhaftigkeit, durch geringe verwendung hochgestochener sprache ausdrücken. hier steht authentizität für einfachkeit. echtheit liegt etwa auch im widerstand gegen einen gewissen zeitgeist. das geschmacksurteil ist kein rein subjektives, das im belieben des einzelnen steht, vielmehr gibt es objektive, also im objekt liegende kriterien, die das […]

SCHÖNER SCHREIBEN, originalität

originalität/ grenzüberschreitung ist nicht zu verwechseln mit dem „originellen“ als interessantheits-kriterium. ein werk soll ausser welthaltig zu sein der realität etwas neues, eigenes hinzufügen. zeichen der originalität kann zb. etwas spezielles innerhalb einer figur sein. deutliche beispiele nicht-originaler, sondern eher schablonenhafter charaktere finden sich in groschenheften. man erwartet von der kunst, dass sie dem bekannten […]

SCHÖNER SCHREIBEN, interessantheit

würden wir bei einem gereimten gedicht das jeweils nächste wort mit sicherheit voraussagen können, wäre das gedicht langweilig. ohne den aufbau einer erwartungsspannung würden wir nicht weiterlesen. das wertkriterium verlangt, dass literatur nicht langweilig, sondern originell sei. das kann bei gedichten eine sprachliche  schönheit sein, die spannung einer erzählung (wie geht sie aus) oder die […]

SCHÖNER SCHREIBEN, ambiguität

dort, wo dichtung eindeutige aussagen macht, ist sie selten gross und tief. am wahrhaftigsten ist sie, wo sie ein gestochen scharfes röntgenbild (die formulierungen, textaufbau etc) liefert, die diagnose aber offen lässt. ein werk kann zu anfang komplex wirken, dann besteht der genuss daran aus einem im fortlauf leichteren lesen. es besteht hier aber die […]

SCHÖNER SCHREIBEN, welthaltigkeit

die dichterische gestaltung von welt hat zwei dimensionen: fülle und tiefe. der autor kann sich entscheiden zwischen der abbildung einer mehr oder weniger detaillierten aussenwelt und – als spiegelung – einer individuellen innenwelt. die gefahr zu grosser welthaltigkeit ist das abgleiten ins bloss stoffliche, also die schilderung nicht weiterführender details und motive. Cees Nooteboom meint: […]

TEXTGESTALTUNG, verständlichkeit

nicht alles, was richtig ist, ist auch verständlich. die verständlichkeit eines textes beurteilt der leser: seine position, sein vorwissen, sein aufnahmevermögen sind zu bedenken. formulieren Sie so genau wie möglich, aber nicht genauer als nötig. wählen Sie wörter, die bekannt sind oder binden Sie vermutlich klärungsbedürftige begriffe so ein, dass ihre bedeutung sich aus dem zusammenhang erschliesst. schachtelsätze provozieren […]

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